Ostfriesen-Zeitung

Ehsan Dorri in der Schuldisco: Hier haben die Schüler die Flaggen ihrer Länder an die Wand gemalt. Insgesamt 18 Nationen sind an der Hauptschule Wildbahn in Norden vertreten.
Leserstrahl
03.02.2006

„Wir können viel selbst machen“ Aktiv Ehsan Dorri von der Hauptschule Wildbahn in Norden ist Klassen-, Schul- und Landkreisschulsprecher für Aurich


Von Nicole Böning


Der 16-Jährige kam vor vier Jahren aus dem Iran nach Deutschland. Jetzt setzt er sich für andere Jugendliche in der Region ein.

Norden - Ehsan Dorri wirkt nicht wie ein 16-Jähriger. Eher älter. Wenn er mit ruhiger Stimme von sich, seinem Leben und seiner Schule erzählt, wundert man sich nicht mehr, dass jemand Klassensprecher, zweiter Schulsprecher an der Hauptschule Wildbahn in Norden und seit November auch Auricher Landkreisschulsprecher gleichzeitig sein kann. Außerdem sitzt Ehsan im Schulausschussteam.

Der 16-Jährige ist erst vor vier Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Die Sprache hat er schnell gelernt : gezwungenermaßen. „Die anderen Kinder haben mich gehänselt“, erzählt er. „Und ich konnte mich nicht wehren, ich habe ja nicht einmal verstanden, was sie sagen.“ Er grinst ein wenig schief, als er zurückdenkt: „Ich hatte irgendwann die Nase voll, habe mir Deutschbücher geholt und angefangen zu lernen.“ Als er ein Jahr später an die Schule in Norden kam, konnte er fließend Deutsch sprechen.

Auch wenn Ehsan seine Heimat vermisst, ist er froh, in Deutschland zu sein. „Im Iran wurden wir in der Schule oft geschlagen“, sagt er. „Wenn man gelacht hat, gab es Schläge. Wenn man geredet hat, gab es Schläge : einfach für alles.“ Dann schweigt er einen Moment und erzählt. „Die Menschen hier können sich nicht vorstellen, wie es im Iran ist, ein Kind zu sein.“ Mit sieben Jahren hätte er schon gearbeitet : in einem Lebensmittelladen.

Trotzdem gibt es auch Sachen, die die deutschen Schüler von seinem Land lernen könnten, findet er. „Dort gehen die Jugendlichen viel respektvoller mit Erwachsenen und alten Menschen um“, das ist für den 16-Jährigen wichtig. Respektvoll hat er auch dem niedersächsischen Bildungsminister Bernd Busemann im Januar bei seinem Besuch in Norden erzählt, was an der Hauptschule verbessert werden muss. „Deutschland ist ein freies Land, hier kann man offen reden“, sagt Ehsan : im Iran sei das anders. Deshalb hatte er auch keine Hemmungen Busemann von den kaputten und schmucklosen Basketballfeldern zu erzählen, und von den alten Tischtennisplatten, von den nur noch eine überhaupt ein Netz hat.

Ehsans Stimme wird fest : jetzt ist er in seinem Element. Die Interessen seiner Mitschüler zu vertreten, ist ihm wichtig. Auch wenn neben der Schule, seinem Job, und vielen anderen Verpflichtungen wenig Zeit bleibt. „Ich sage nie nein, wenn ich gefragt werde, ob ich etwas machen will“, sagt er.

In einer Zukunftswerkstatt haben Schüler und Eltern gemeinsam überlegt, wie man den Schulhof der Wildbahn-Schule verschönern kann. Auch Ehsan war dabei. „Wir können viel selbst machen“, sagt er begeistert. Er ist zuversichtlich, dass die Ideen auch bald umgesetzt werden. Ehsan und seine Mitschüler haben noch viele Pläne: Neue Bänke, mit den Heimat-Flaggen der Schüler, die Wände verschönern und vieles mehr. Auch für die Schulen im Landkreis hat Ehsan sich schon einiges ausgedacht.